Erlösen statt Erleiden

Ein Mobbing-Problem ist der schlimmste Konfliktfall, den es in einer Gemeinschaft gibt. Hier fällt es zunächst meist sehr schwer, Konflikt als Chance für Veränderung zu verstehen. Vielleicht ist das der Grund, warum wir so lange wegschauen und nicht wahr haben wollen, was sich da abspielt. Vielleicht trauen wir uns nicht zu, das Problem offensiv anzugehen, weil wir ahnen, dass jede Intervention heikel ist und das Gegenteil dessen bewirken kann, was eigentlich beabsichtigt ist.

Aus den Teufelskreisen heraus finden

Kinder und Jugendliche, die in einen Mobbing-Fall verwickelt sind, haben eigentlich keine Kraft mehr, Phantasiekräfte zu entwickeln. Es schwindet die Fähigkeit zur Freude ebenso wie die Kraft zur Konzentration, zum Durchhalten, also zum Lernen .. Egal in welcher Rolle man sich befindet, ob Täter, Unterstützer oder Opfer, alle Energie wird absorbiert von seelischem Überlebensstress.

Und dennoch: Auch ein gut bearbeiteter Mobbingfall, innere und äußere Versöhnung mit dem, was geschehen, aber aus Verstrickungen gelöst ist, kann die Beteiligten aufwecken und mit neuen, klaren Verabredungen Leben und Arbeiten in einer Gemeinschaft neu und fruchtbar ermöglichen.

Akute Mobbing-Intervention

Es gilt allerdings, so schnell und gleichzeitig so behutsam wie möglich die erstarrten Rollen aufzulösen und dafür zu sorgen, dass die involvierten Beteiligten mit einem Höchstmaß an Sicherheit in einen Prozess des Bearbeitens und Versöhnens kommen können, jeder sein Stück Verantwortung kennen und übernehmen lernt, um den Fallen und Verstrickungen zu entkommen und Handlungsalternativen zu erlernen.

Es gibt keinen „Patentweg“ in einer akuten Mobbing-Situation, aber Prinzipien:

  • Sensibles Aufspüren der verschiedenen Rollen ( Täter / Opfer / Unterstützer….) und klare Regeln mit sofortigem Opferschutz
  • Klären der verschiedenen Bedürfnisse
  • Unterstützung der verschiedenen Gruppen in einer Gruppe mit dem Ziel in einen gemeinsamen Austausch zu kommen
  • Verantwortlichkeiten der Beteiligten für das Gewesene klären und einen Ausgleich einleiten und begleiten. Gruppenmitglieder in ihren sozialen Kompetenzen und Aufmerksamkeiten schulen und in Verantwortung nehmen.
  • Dauerhafte Regeln gemeinsam erarbeiten mit klaren Kompetenzen und Verantwortlichkeiten für ihre Durchführung und einem Weg, der sie nachhaltig absichert.

In einer Mobbing-Situation, mitunter auch in anderen eskalierten Konflikten sind meist alle Beteiligten verstrickt, oft auch die Lehrer oder Gruppenleiter. Meist vertraut sich eine verstrickte Gruppe den bekannten Erwachsenen nicht gerne und offen an. Daher empfiehlt es sich, eine Akut-Situation an Menschen zu übergeben, die im Erleben der Beteiligten als allparteilich angenommen werden können.