Unsere Projekte

Cyber-Kongress

Aus der Arbeit des vergangenen Schüler-Mediatoren Kongresses ist ein neues Projekt entstanden. Zusammen mit vielen Schüler-Mediatoren und Interessierten veranstalteten wir nun einen "Cyber-Kongres". Thema war die digitale Welt und die damit verbundenen Konflikte. Dazu haben uns "Fachleute" besucht und wir haben eine Menge Neues erarbeitet. Im Zentrum stand außerdem das Internetforum "mobbing-ist-loesbar.de", das mit neuen Ideen und tatkräftigen, engagierten jungen Menschen auf eine neue Ebene gebracht werden soll.

Einen genauen Bericht wird es in Kürze hier geben.

Aber das Feedback, der Teilnehmer gibt es schon jetzt. Dazu hier klicken


Maria und Charlotte erzählen von ihrem Praktikum in Kriva Palanka

Liebe Maria,

liebe Charlotte,

Ihr macht gerade bei AMARO KHER ein Praktikum.

Könnt Ihr bissle erzählen, was Ihr bislang in Kriva Palanka gemacht habt und wie die Situation dort gerade aussieht?

Im Sommer 2012 waren wir mit einigen Mitgliedern von futuRoma für eine Woche in Kriva Palanka. Dieser Verein arbeitet mittlerweile seit ca. 10 Jahren an der Verbesserung der Situation für die Roma von dort. In dieser Woche konnten wir uns ein Bild vom Viertel und den Menschen machen und alles ein wenig kennenlernen.

Dieses Jahr beschlossen wir wieder mitzufahren, um an dem neuen Projekt „Amaro Kher“, übersetzt „Unser Haus“ mitzuarbeiten. „Amaro Kher“ ist ein ehemaliges Wohnhaus am Rande des Roma-Viertels, das mithilfe von Recyclingbau zu einem Gemeinschaftshaus werden soll.

Also stiegen wir Ende August, gemeinsam mit Georg und Sebastian, zwei ehemaligen unserer Schule, die den Umbau geplant hatten und leiteten und zwei weiteren Helfern in den Bus nach Mazedonien. Dort begann dann mit einem etwas holprigen Start, durch Verzögerungen mit der Baugenehmigung, die Arbeit auf der Baustelle.

In den drei Monaten, die wir in Kriva Palanka waren, konnten wir einiges am Haus verändern. Mit immer wechselnden deutschen Helfern und steigender Anzahl Helfer aus dem Viertel schafften wir es das baufällige alte Dach komplett zu erneuern, alle Wände im oberen Stockwerk zu entfern und dabei alle Baumaterialien zu sortieren und zu lagern bis zu ihrer Wiederverwendung. Außerdem bauten wir das Gerüst für eine große Terrasse. Deren Wände bestehen aus einem Fundament aus, mit Erde gefüllten Reifen, und einer mit Plastikflaschen und Lehmsteinen gemauerten Wand. Natürlich liefen nebenher noch tausende andere, kleinere Dinge, sowohl am Haus, als auch auf dem Grundstück und vor allem im Sozialen. Beispielsweise bauten wir einen Lehmofen, ernteten und räumten den Garten auf, bauten ein Kompostklo etc.

Doch die wichtigste und eindrucksvollste Entwicklung fand im Sozialen statt.

Angefangen bei den Kindern, die von Anfang an zahlreich auf der Baustelle erschienen. Diese Kinder hatten für uns einfach zu viel Energie. Wir hatten mit der Lautstärke und der Geschwindigkeit unsere Probleme und konnten ihnen nicht genug geben um ihre Energie positiv zu nutzen. Daraus und aus fehlender ununterbrochener Aufmerksamkeit unsererseits entstand bei den Kindern oftmals Frustration und ihre Energie wendete sich gegen uns. Mit unserer „ruhigen“ Art damit umzugehen waren wiederum die Kinder dann überfordert. Sie konnten nicht einschätzen wann sie Grenzen überschritten, da wir sie nicht schlugen. Sie provozierten dies teilweise sogar um ihre Grenzen kennenzulernen. Doch durch das Ausbleiben dieser physischen Gewalt waren sie anfangs verunsichert und nahmen uns nicht so ernst, wie wir uns das gewünscht hätten. Mit der Zeit besserte sich dies aber sehr und die Kinder respektierten uns immer mehr, bis es uns gegen Ende sogar möglich war ihnen zu erklären, weshalb sie dieses oder jenes tun oder auch lassen sollten. Anfangs hatte eine Ermahnung oft zu einem Wutanfall oder ähnlichen starken Reaktionen geführt und ließ keinen Raum für Erklärungen und Verständnis.

Die letzte Zeit war das Arbeiten mit den Kindern wirklich schön und vor allem vor dem Hintergrund der anfänglichen Schwierigkeiten war es uns eine Freude zu sehen, wie harmonisch und spielerisch die Kinder die Zeit auf der Baustelle verbrachten.

Auch von Anfang an waren einige Jugendliche auf der Baustelle. Sie waren die konstantesten Arbeiter und packten Tag für Tag mit an. Bei ihnen war mit der Zeit eine immer stärkere Identifizierung mit dem Projekt wahrzunehmen. Immer mehr Jugendliche halfen nicht nur tatkräftig mit beim Bau, sondern einige Mädchen und Frauen bildeten ein Kochteam und kochten mittags für alle Arbeiter auf der Baustelle und „Amaro Kher“ wurde immer mehr zum sozialen Treffpunkt. Die Jugendlichen verbrachten viel Zeit dort und es fand viel Begegnung ganz unterschiedlicher Menschen aller Altersklassen statt.

Die Erwachsenen waren zu Beginn noch eher selten auf der Baustelle. Wir begegneten einiger Skepsis. Doch durch die Kontaktgruppe und durch unsere stetige Anwesenheit wurden es immer mehr Interessierte auf der Baustelle, die teils wirklich viel Zeit opferten und mitarbeiteten, teils einfach interessiert waren und regelmäßig vorbeikamen um den Stand der Baustelle zu betrachten und einige nutzten auch einfach nur die Gelegenheit andere Menschen zu treffen und sich ein bisschen zu unterhalten.

Da läuft ja so etwas wie ein „begleiteter Prozess der Gemeinschafts- und Delegationsbildung“. Angelika hat ja im Vorfeld des Bauens mit den Roma lange gearbeitet und mit ihnen eine Art Leitbild erarbeitet, auf dem die zukünftige Arbeit mit dem Haus stattfinden soll. Daraus hat sich dann ergeben, dass sich die Kontaktgruppe als Delegation, also Vertretung der Roma im Viertel, gebildet hat. Ist das konstruktiv? Sinnvoll? Erlebt ihr da eine Veränderung, wie Aufgaben wahrgenommen werden? Entsteht da so etwas wie Verantwortung für das Gesamte? Auch Hanna hat ja dann die Kontaktgruppe zweimal begleitet, also mit ihr gearbeitet. Kann man erkennen, dass das sinnvoll war und in welcher Hinsicht?

Die Kontaktgruppe fand sich Ostern 2013 und hat damals viel für sich erarbeitet und verabredet, was dann leider in der Zeit bis zur ersten Bauphase nicht so funktionierte. Darüber war bei einigen Mitgliedern Frustration entstanden und die Harmonie in der Gruppe hatte etwas gelitten. Außerdem repräsentiert die Kontaktgruppe einige ganz unterschiedliche Gruppen des Viertels, was die Kommunikation nicht einfacher macht. Auch die wenige Erfahrung im Organisieren und Planen, vor allem in der Gruppe, also demokratisch, ohne einen Chef war deutlich spürbar. Wir hatten sehr viele Treffen mit der Kontaktgruppe und sprachen wirklich lange mit ihnen. Es entwickelte sich bei ihnen eine immer stärkere Identifizierung mit dem Projekt. Das brauchte Zeit und damit begann auch erst das Übernehmen von Verantwortung. Ich denke in der ersten Bauphase entstand bei ihnen erst eine Idee von der Dimension ihrer Arbeit und des Projekts. Die Arbeit im Voraus war sicher wichtig um die Kontaktgruppe vorzubereiten und um den Weg zu ebnen, dass überhaupt eine Zusammenarbeit möglich war. Auch Hannas Arbeit half uns sehr. Bevor sie kam war kaum ein Treffen mit der gesamten Kontaktgruppe möglich. Dadurch, dass sie sich ganz der Gruppe widmen konnte und viel mit ihnen arbeitete kam bei ihnen neue Motivation auf und eine neue Art der Zusammenarbeit wurde möglich. Ich denke, dass jede Art der Arbeit mit der Kontaktgruppe im Hinblick auf die Kommunikation unglaublich wichtig ist. Denn dort sehen wir noch eine Schwäche der Gruppe. Es fällt ihnen bis jetzt noch schwer mit Weitblick zu denken und zu planen, und vor allem dies untereinander zu kommunizieren. Doch man konnte eine Entwicklung wahrnehmen, die unserer Meinung nach gekoppelt ist an die Identifizierung mit dem Projekt. Je mehr Liebe zum Projekt bei ihnen entstand, desto motivierter waren die Mitglieder der Kontaktgruppe und desto zielorientierter wurden auch die Gespräche.

Anfangs war die Anwesenheit der Kontaktgruppe auf der Baustelle eher selten und die Treffen für einige der einzige Grund zu kommen. Doch gegen Ende, besonders die letzten paar Wochen war die Kontaktgruppe fast täglich vollständig, teilweise bis spät abends in „Amaro Kher“ anzutreffen.

Uns wurde bei Gesprächen mit der Kontaktgruppe immer deutlicher bewusst wie hilfreich unsere Mediationsausbildung im „echten Leben“ ist. Wir konnten sie zwar nicht in dem Rahmen anwenden wie wir das gerne getan hätten, also sie anwenden um auch anderen aktiv durch eine Moderation helfen. Denn dazu musste das Vertrauen der Kontaktgruppe erst sehr langsam wachsen. Außerdem hat unser Wort dort aus kulturellen Gründen, vor allem durch unser Alter eine eher niedrige Bedeutung. Ist ja auch irgendwie verständlich. Aus der Sicht eines 50 jährigen Roma, der sein Leben am Existenzminimum verbringt, wären mir die Mediationskompetenzen der deutschen Wohlstandskinder auch erst einmal egal. Doch wir hoffen, dass wir dieses Bild bei unserem nächsten Aufenthalt in Kriva Palanka noch weiter abbauen können und unsere Ausbildung noch aktiver nutzen können. Natürlich half sie uns bis jetzt sehr dabei mit schwierigen Situationen umzugehen und viele Dinge für uns zu klären.

Wenn Ihr da mit Eurem Mediationsauge und – herz hinschaut:

Welche Konflikte tauchen denn da hauptsächlich auf? Erlebt Ihr, dass die Roma sich diesen Konflikten stellen können?

Die Konflikte dort haben oftmals eine andere Basis als Konflikte, die uns bis jetzt bekannt waren. Die Menschen dort müssen einfach noch viel stärker auf sich schauen und haben oft das Bedürfnis ihre eigene Wirksamkeit in Form von Konflikten zu erfahren. Vor allem bei Konflikten in der Kontaktgruppe ist unsere Vermutung, dass sie als Intentionen hatten zu erfahren welches Gewicht das eigene Wort hat. Diese Vermutung machen wir fest an Konflikten, die für uns keinen offensichtlich sachbezogenen Ursprung hatten und uns vorerst „unnötig“ erschienen. Wir nahmen sie dennoch ernst und versuchten uns zu erklären, bis plötzlich alles vergessen schien und alles wieder so wie wir es geplant hatten in Ordnung war.

Besonders wichtig war es der Kontaktgruppe, ernst genommen zu werden, respektiert zu werden und Einfluss zu haben auf das was passiert.

Grundsätzlich unterscheiden sich die Konflikte dort von denen, die uns bekannt waren, da ihr Ursprung oftmals auf einer anderen Ebene liegt. Wenn man sich die maslowsche Bedürfnispyramide als Bild vorstellt, entstehen unsere Konflikte meist aufgrund unerfüllter sozialer Bedürfnisse oder Ich-Bedürfnisse, also sozusagen in der Spitze der Pyramide. Doch bei den Roma in Kriva Palanka sind sehr oft weitaus grundlegendere Bedürfnisse unerfüllt. Bedürfnisse, die die Basis der Pyramide bilden, teilweise sogar unerfüllte Grundbedürfnisse, oft jedoch unerfüllte Sicherheitsbedürfnisse.

Diese Konflikte sind natürlich nicht gerade einfacher zu lösen, da oftmals das unerfüllte Bedürfnis zum Konflikt einen eher abstrakten Zusammenhang hat. Wir machten die Erfahrung, dass Konflikte dort selten wirklich geklärt werden. Dass ein Konflikt eine Chance sein kann und durchaus auch positive Seiten hat ist den Menschen dort nicht wirklich bewusst. Meist werden Konflikte dort sehr lautstark ausgetragen und dann etwas später wieder vergessen. Zu einer Klärung kommt es selten.

Wo gelingt das noch nicht? Und was bräuchten die Roma noch, damit sie Konflikte auch als Chancen ergreifen können?

Wir glauben als erstes bräuchten sie einen sehr aufmerksamen und geduldigen Menschen, den sie respektieren, der ihnen zuhört und ihnen hilft Konflikte zu lösen. Nicht weil sie das nicht selbst lernen können, sondern weil für sie die Erfahrung sehr wichtig wäre, dass man einen Konflikt konstruktiv, in einer win-win-situation, beenden kann. Denn diese Erfahrung fehlt ihnen und ist ausschlaggebend für das eigene Konfliktverhalten. Ohne positive Erfahrungen fehlt das Vertrauen in Konfliktsituationen, sowohl zu sich selbst, als auch zum Gegenüber. Die Motivation über Probleme zu sprechen kann aber nur entstehen, wenn man Vertrauen hat, dass etwas Positives entstehen kann. Wir glauben daran, dass das entstehen kann, auch wenn es keine einfache Aufgabe für alle Beteiligten sein wird.

Es gibt hier in Deutschland einige Bemühungen, auch Roma Mediationskompetenzen zu vermitteln. Könnt Ihr Euch vorstellen, dass das auch in Kriva Palanka sinnvoll sein könnte?

Wir sind überzeugt jede Weiterbildung auf diesem Gebiet kann, egal wem, nur helfen. Und da sind selbstverständlich auch die Roma in Kriva Palanka keine Ausnahme. Eine Weiterbildung, vor allem für die Mitglieder der Kontaktgruppe halten wir für sehr sinnvoll. Ich glaube sie könnten sehr viel lernen. So eine Ausbildung ist, unserer Erfahrung nach, vor allem wichtig für einen selbst und ob man dann noch weitergehen möchte und versucht auch andere davon profitieren zu lassen, das kann ja jeder dann für sich selbst entscheiden. Ich glaube die Roma sind durchaus in der Lage und motiviert etwas auf dem Gebiet des Konfliktumgangs zu lernen. Man sollte nur auch bedenken, dass es durchaus Unterschiede zwischen den Kulturen gibt und dies auch beim Umgang mit dem Thema berücksichtigen. Beispielsweise hat das Alter noch eine wesentlich höhere Bedeutung und das Wort des Älteren dadurch auch mehr Gewicht. Doch grundsätzlich sind wir alle Menschen, haben alle ähnliche Bedürfnisse und können dadurch auch alle Mediatoren werden.

Ist dieses Projekt AMARO KHER das richtige Projekt für den Verein INTEResse und warum?

Das Projekt „Amaro Kher“ fällt auf den ersten Blick nicht in den Aufgabenbereich des Vereins INTEResse. Ein Hilfsprojekt für Roma in Kriva Palanka, einem kleinen Dorf mit ca. 14.000 Einwohnern in Mazedonien scheint vorerst unpassend für einen Verein für Peer-Mediation. Doch macht man sich bewusst was die Hilfe wirklich ausmacht, wird einem klar, wo die beiden Projekte sich überschneiden. Wir haben uns viele Gedanken im Voraus gemacht, was Hilfe zu einer guten und nachhaltigen Hilfe werden lässt. Wir kamen auf die Begegnung auf Augenhöhe und das Lernen voneinander. Grundsätzlich bedeutet Peer-Mediation nichts anderes. Für uns ist die Vorstellung von Spender und Empfänger veraltet. Es geht nicht darum den Menschen Materielles zu geben, sondern vielmehr ihnen zu helfen sich selbst zu helfen. Dies kann nur durch eine Begegnung auf Augenhöhe möglich werden. Wir sind sicher nicht diejenigen, die nicht aus diesem Projekt profitieren. Wir haben dort so viele Erfahrungen gemacht und so viel gelernt, dass wir jetzt sagen können, dass die Mediationsausbildung nicht nur in dem Rahmen der Schule oder des eigenen Umfeldes sinnvoll für uns war. So ist, wenn man über den Tellerrand schaut und einen etwas globaleren Blick wagt, Mediation nicht nur bei Mobbing in der Schule eine Möglichkeit zu handeln, sondern auch bei Diskriminierung in einem weitaus größeren Rahmen, wie sie bei den Roma immer noch stattfindet. Ein Ziel von INTEResse ist es gegen Ausgrenzung zu handeln und nichts anderes tut „Amaro Kher“.

Was ist Euch noch wichtig dazu zu sagen?

Wir sind wirklich sehr dankbar für die finanzielle Unterstützung von INTEResse und müssen sagen, dass wir ohne sie wahrscheinlich ein ganzes Stück weniger hätten schaffen können. Wir hoffen, aus unseren Antworten ist ersichtlich geworden weshalb INTEResse sehr gut zu „Amaro Kher“ passt. Ansonsten sind wir gerade einfach sehr motiviert aller Welt von unserem Projekt zu erzählen. Wir finden, dass es ein einzigartiges Projekt ist. Es hat jetzt schon so viel Begegnung geschaffen und ist es wirklich Wert weiterhin unterstützt zu werden. Auch für die nächste Bauphase (vermutlich ab April 2014) möchten wir alle herzlich einladen mit uns nach Mazedonien zu kommen und eigene Erfahrungen zu sammeln.

Danke, danke, danke!


tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 1.png

AMARO KHER -
Das Gemeinschafts-und Bildungshaus der Roma in Kriva Palanka

oder

ein Versuch, Menschen zu unterstützen ihr Leben würdig und selbstbestimmt in eine Zukunft zu führen.

oder

Mediation ganz weit gefasst : eine Haltung im echten Leben

Welche Überschrift auch immer man wählt- sie trifft nie das GANZE des Projekts AMARO KHER, sondern immer nur einzelne Aspekte. Vielleicht kann man AMARO KHER als folgerichtigen Entwicklungsschritt von INTEResse betrachten, wenn man bedenkt, dass wir seit gut 7 Jahren daran arbeiten, mit Jugendlichen zusammen Konfliktstellen unserer Umgebung aufzuspüren, zu ergreifen im Sinne von Aufarbeiten und Lösen, und zwar jeweils mit den Betroffenen gemeinsam.
Es scheint ein bisschen so zu sein, dass man als MediatorIn- egal welchen Alterseinfach nicht mehr gut weg schauen kann, wenn man plötzlich mit Elendssituationen, mit Ungerechtigkeiten, mit Ausgrenzung konfrontiert wird. Und genau das passierte: SchülermediatorInnen und erwachsene begegneten den Roma in Kriva Palanka- und damit genau einer solchen Situation, die Entscheidungen forderte: einfach stehen lassen und weiter gehen oder zupacken, trotz so vieler ungelöster und unüberschaubarer Fragen?
     Was ist alles nötig, damit elementarste Bedürfnisse erfüllt werden können? Wo beginnt da der mediative      Anteil, wenn man hier einsteigt? Kann man das trennen? Kann man sagen: wo kein Raum ist, ist eben      auch keine Konfliktbearbeitung möglich?
Wir haben uns so entschieden:
Da ist eine Aufgabe, die ruft nach Menschen, die sich ihrer annehmen: Eine Gruppe von Menschen- eben die Roma in Kriva PAlanka- die an der dortigen Gesellschaft nur in geringem Maße partizipieren können, denen wesentliche Grundbedürfnisse vorenthalten werden, teilweise ( nur als ein Beispiel) fließendes Wasser nicht zur Verfügung steht….Da gibt es niemanden, der sich gemeinsam mit ihnen hinsetzt und überlegt, wie sie ihre Situation verändern können. Da gibt es aber sehr viele Erkenntnisse:

  • Es fehlt an Elementarem (genügend Nahrung, Kleidung, Wärme usw.)…
  • Es fehlt an  Möglichkeiten und Erfahrungen, wie man sich selbst wirksam für die eigenen Bedürfnisse einsetzen kann
  • Es fehlt an guter Ausbildung und an Perspektiven über den Tag hinaus
  • Es  fehlt  an  Konfliktkompetenzen  um  einen  Weg  gemeinsam  zu  beschreiten und dadurch wirksam zu werden…...
  • Und es fehlt an Raum, um sich  überhaupt als wirksame Gemeinschaft zu erleben und gemeinsam diese ganzen Herausforderungen zu meistern, die man aber gerne leisten möchte, wie eigene Weiterbildung, Auseinandersetzung mit täglichen Problemen, Erziehung, Entwicklung von Fähigkeiten, die da sind, aber nicht geübt sind….

Also: wo fangen wir an und womit ?
Wir haben uns mit zwei weiteren Vereinen zu AMARO KHER zusammengeschlossen für dieses Kooperationsprojekt, in dem jeder seinen besonderen Anteil leistet:
INTEResse den Teil der Prozessbegleitung und Konfliktarbeit innerhalb der Gemeinschaft um hier eine gute nachhaltige Grundlage für das Gemeinwesen gemeinsam mit den Roma zu schaffen und miteinander ein Gefühl dafür zu entwickeln, dass Konflikte lösbar werden, wenn man sie kompetent bearbeitet.
Den RAUM, also quasi die äußere Hülle dafür, schafft Casa Creciente, der zweite Verein in einer Weise, die mit möglichst wenigen Mitteln, hier dem Lehmbau und allen möglichen Formen von Recycling modellhaft mit den Roma erarbeitet, dass auch mit wenigem, das sinnvoll eingesetzt wird, etwas Nachhaltiges machbar ist. Der dritte im Bunde der Partner ist FutuRoma, der schon seit Jahren den integrativen Kindergarten für Roma und Mazedonische Kinder betreibt und mit AMARO KHER diese Arbeit auf die Schulkinder ausdehnen kann, die dringend Unterstützung benötigen, um Schule und damit später auch Ausbildung und berufliche Zukunft zu schaffen. Das sind nur Schwerpunkte, denn in der Realität ist das alles in einem flussartigen Prozess. Die Konflikte entstehen beim gemeinsamen Bauen, bei der Frage, welche Räume notwendig und gewollt sind…. die Notwendigkeit einer Delegation der Roma ergibt sich aus dem Prozess ebenso wie die Frage, wie die Hausaufgabenbetreuung für die Schulkinder geleistet werden kann, für die eigentlich genauso wenig Geld da ist wie für alles andere….ein äußerst komplexes Projekt also.
Ein riesiges Problem dabei:
Für manche dieser Dinge braucht es tatsächlich einfach Geld.
Und dann geschehen Wunder:
Da sind zwei junge Architekten, die einfach einen Teil ihrer Lebenszeit verschenken, um die äußere Hülle, das Haus AMARO KHER zusammen mit etlichen weiteren Freiwilligen zu bauen! Da sind MediatorInnen unterwegs, die machen Ähnliches: fangen einfach an und helfen bei den Prozessen. Keiner bekommt auch nur den Anflug eines Honorars, weil jeder weiß, dass das hier gar nicht möglich ist und hier wirklich einfach in anderen Dimensionen gedacht werden muss.

Und JA, so etwas gibt es doch noch!

Und dann gibt es SpenderInnen, die das Materielle bezahlen, das Holz, das Dach, die Schrauben und so weiter: kleine Stiftungen, die wissen, dass Geld da wärmt, wo es den Menschen hilft.

Da gibt es die Stiftung Zusammen-wachsen, die uns ganz spontan unterstützt hat. Ebenso die Stiftung „Jugend hilft“, die einen Teil der Baukonstruktionskosten übernommen hat.
eine weitere Stiftung mit einem richtig großen Betrag, die den notwendigen kauf des renovierungsbedürftigen Hauses überhaupt erst ermöglicht hat. Und es gibt private Menschen, die da und dort das eine oder andere finanziell übernehmen, damit AMARO KHER ein Haus wird, ein Dach bekommt, und im Sommer 2o14 die innere Arbeit des Hauses: die Weiterbildung, die Werkstätten, die Kinderbegleitung, die Arbeit mit den Frauen usw.… in richtigen regulären, selbstverwalteten Betrieb gehen können.
Dann gibt es die drei Vereine: INTEResse, Casacreciente und FutuRoma, die auch einen Beitrag dazu leisten…
Und das sind alles Geschenke, die sich gegenseitig energetisch aufladen und ein Gefühl hinterlassen:
Gut, dass wir nicht daran vorbei gegangen sind. Es geht letztlich um Menschenrechte!

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 2.png

Die Baumeister und einige ihrer ihre ganz jungen Assistenten…. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Und hier das versprochene Interview mit zwei INTEResse-Vorstandsmitgliedern:

Liebe Maria, liebe Charlotte,
ich möchte Euch jetzt gerne einige Fragen stellen
Ihr wart jetzt als freiwillige Helfer mit unseren Baumeistern Georg und Sebastian in Kriva Palanka und habt bei AMARO KHER mitgearbeitet
Könnt Ihr ein bisschen erzählen, was Ihr bislang dort gemacht habt und wie die Situation dort gerade aussieht? Ihr habt ja am Bau mitgearbeitet- dieser besonderen Recycling-Bauweise- und andererseits auch mit der Gemeinschaft dort gelebt.

Im Sommer 2012 waren wir schon einmal mit einigen Mitgliedern von FutuRoma für eine Woche in Kriva Palanka. Dieser Verein arbeitet mittlerweile seit ca. 10 Jahren an der Verbesserung der Situation für die Roma von dort und ermöglicht dort den integrativen Kindergarten für Roma- und andere Kinder. In dieser Woche konnten wir uns ein Bild vom Wohnviertel und den Menschen machen und alles ein wenig kennenlernen.
Dieses Jahr beschlossen wir wieder mitzufahren, um an dem neuen Projekt „Amaro Kher“, übersetzt „Unser Haus“ mitzuarbeiten. „Amaro Kher“ ist ein ehemaliges Wohnhaus am Rande des Roma-Viertels, das mithilfe von Recyclingbau zu einem Gemeinschafts- und Bildungshaus für die Roma-Familien werden soll.
Also stiegen wir Ende August, gemeinsam mit Georg und Sebastian, zwei ehemaligen unserer Schule, die den Umbau geplant hatten und leiteten. und zwei weiteren Helfern in den Bus nach Mazedonien. Dort begann dann mit einem etwas holprigen Start, durch Verzögerungen mit der Baugenehmigung, die Arbeit auf der Baustelle.tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 3.png
In den drei Monaten, die wir in Kriva Palanka waren, konnten wir Einiges am Haus verändern. Mit immer wechselnden deutschen Helfern und einer stetig steigenden Anzahl Helfern aus dem Roma-Viertel schafften wir es das baufällige alte Dach komplett zu erneuern, alle Wände im oberen Stockwerk zu entfernen und dabei alle Baumaterialien zu sortieren und zu lagern bis zu ihrer Wiederverwendung. Außerdem bauten wir das Gerüst für eine große Terrasse. Deren Wände bestehen aus einem Fundament aus, mit Erde gefüllten Reifen, und einer mit Plastikflaschen und Lehmsteinen gemauerten Wand. Natürlich liefen nebenher noch tausende andere, kleinere Dinge, sowohl am Haus, als auch auf dem Grundstück und vor allem im Sozialen. Beispielsweise bauten wir einen Lehmofen, ernteten und räumten den Garten auf, bauten ein Kompostklo etc.
Doch die wichtigste und eindrucksvollste Entwicklung fand im Sozialen statt. Angefangen bei den Kindern, die von Anfang an zahlreich auf der Baustelle erschienen. Diese Kinder hatten für uns -gefühlt- einfach zu viel Energie. Wir hatten mit der Lautstärke und der Geschwindigkeit unsere Probleme und konnten ihnen erst einmal nicht genug geben um ihre Energie positiv zu nutzen. Daraus und aus fehlender ununterbrochener Aufmerksamkeit unsererseits entstand bei den Kindern oftmals Frustration, und ihre Energie wendete sich gegen uns. Mit unserer „ruhigen“ Art damit umzugehen waren wiederum die Kinder dann überfordert. Sie konnten nicht einschätzen, wann sie Grenzen überschritten, da wir sie nicht schlugen. Das sind sie leider als Grenzziehung eher gewohnt.Sie provozierten uns teilweise sogar um ihre Grenzen kennenzulernen. Doch durch das Ausbleiben dieser physischen Gewalt waren sie anfangs verunsichert und nahmen uns nicht so ernst, wie wir uns das gewünscht hätten. Mit der Zeit besserte sich dies aber sehr und die Kinder respektierten uns immer mehr, bis es uns gegen Ende sogar möglich war ihnen zu erklären, weshalb sie dieses oder jenes tun oder auch lassen sollten. Anfangs hatte eine Ermahnung oft zu einem Wutanfall oder ähnlichen starken Reaktionen geführt und ließ keinen Raum für Erklärungen und Verständnis.
Die letzte Zeit war das Arbeiten mit den Kindern wirklich schön und vor allem vor dem Hintergrund der anfänglichen Schwierigkeiten war es uns eine Freude zu sehen, wie harmonisch und spielerisch die Kinder die Zeit auf der Baustelle verbrachten.
Auch von Anfang an waren einige Jugendliche auf der Baustelle. Sie waren die konstantesten Arbeiter und packten Tag für Tag mit an. Bei ihnen war mit der Zeit eine immer stärkere Identifizierung mit dem Projekt wahrzunehmen. Immer mehr Jugendliche halfen nicht nur tatkräftig mit beim Bau, sondern einige Mädchen und Frauen bildeten ein Kochteam und kochten mittags für alle Arbeiter auf der Baustelle und „Amaro Kher“ wurde immer mehr zum sozialen Treffpunkt. Die Jugendlichen verbrachten viel Zeit dort, und es fand viel Begegnung ganz unterschiedlicher Menschen aller Altersklassen statt.
Die Erwachsenen waren zu Beginn noch eher selten auf der Baustelle. Wir begegneten einiger Skepsis. Doch durch die Kontaktgruppe – das ist die Delegation der Roma- und durch unsere stetige Anwesenheit wurden es immer mehr Interessierte auf der Baustelle, die teils wirklich viel Zeit opferten und mitarbeiteten, teils einfach interessiert waren und regelmäßig vorbeikamen um den Stand der Baustelle zu betrachten.Einige nutzten auch einfach nur die Gelegenheit andere Menschen zu treffen und sich ein bisschen zu unterhalten.

Da läuft ja so etwas wie ein „begleiteter Prozess der Gemeinschafts- und Delegationsbildung“. Angelika hat ja im Vorfeld des Bauens mit den Roma lange gearbeitet und mit ihnen eine Art Leitbild erarbeitet, auf dem die zukünftige Arbeit mit und in dem Haus stattfinden soll. Daraus hat sich dann ergeben, dass sich die Kontaktgruppe als Delegation, also Vertretung der Roma im Viertel, gebildet hat. Ist das konstruktiv? Sinnvoll? Erlebt ihr da eine Veränderung, wie Aufgaben wahrgenommen werden? Entsteht da so etwas wie Verantwortung für das Gesamte? Auch Hanna hat ja dann die Kontaktgruppe zweimal begleitet und mit ihr gearbeitet. Kann man erkennen, dass das sinnvoll war und in welcher Hinsicht?

Die Kontaktgruppe wurde an Ostern 2013 von der Gemeinschaft delegiert und hat damals viel für sich erarbeitet und verabredet, was dann leider in der Zeit bis zur ersten Bauphase nicht so funktionierte, weil die Aufgaben zunächst ja gar nicht da waren oder zumindest noch nicht konkret. Darüber war bei einigen Mitgliedern Frustration entstanden und die Harmonie in der Gruppe hatte etwas gelitten. Außerdem repräsentiert die Kontaktgruppe einige ganz unterschiedliche Gruppen des Viertels, was die Kommunikation nicht einfacher macht. Auch die wenige Erfahrung im Organisieren und Planen, vor allem in der Gruppe, also demokratisch, ohne einen Chef usw., war deutlich spürbar. Wir hatten sehr viele Treffen mit der Kontaktgruppe und sprachen wirklich lange mit ihnen. Es entwickelte sich bei ihnen eine immer stärkere Identifizierung mit dem Projekt. Das brauchte Zeit und damit begann auch erst das Übernehmen von Verantwortung. Ich denke in der ersten Bauphase entstand bei ihnen erst eine Idee von der Dimension ihrer Arbeit und des Projekts. Die Arbeit im Voraus war sicher wichtig um die Kontaktgruppe vorzubereiten und um den Weg zu ebnen, dass überhaupt eine Zusammenarbeit möglich war. Auch Hannas Arbeit mit dieser Delegation half uns sehr. Bevor sie kam, war kaum ein Treffen mit der gesamten Kontaktgruppe möglich. Dadurch, dass sie sich ganz der Gruppe widmen konnte und viel mit ihnen arbeitete, kam bei ihnen neue Motivation auf und eine neue Art der Zusammenarbeit wurde möglich. Ich denke, dass jede Art der Arbeit mit der Kontaktgruppe im Hinblick auf die Kommunikation unglaublich wichtig ist. Denn dort sehen wir noch eine Schwäche der Gruppe. Es fällt ihnen bis jetzt noch schwer mit Weitblick zu denken und zu planen, und vor allem dies untereinander zu kommunizieren. Doch man konnte eine Entwicklung wahrnehmen, die unserer Meinung nach gekoppelt ist an die Identifizierung mit dem Projekt. Je mehr Liebe zum Projekt bei ihnen entstand, desto motivierter waren die Mitglieder der Kontaktgruppe und desto zielorientierter wurden auch die Gespräche.

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 4.pngAnfangs war die Anwesenheit der Kontaktgruppe auf der Baustelle eher selten und die Treffen für einige der einzige Grund zu kommen. Doch gegen Ende, besonders die letzten paar Wochen war die Kontaktgruppe fast täglich vollständig, teilweise bis spät abends in „Amaro Kher“ anzutreffen. Uns wurde bei Gesprächen mit der Kontaktgruppe immer deutlicher bewusst, wie hilfreich unsere Mediationsausbildung im „echten Leben“ ist. Wir konnten sie zwar nicht in dem Rahmen anwenden, wie wir das gerne getan hätten, also sie anwenden um auch anderen aktiv durch eine Moderation helfen. Denn dazu musste das Vertrauen der Kontaktgruppe erst sehr langsam wachsen. Außerdem hat unser Wort dort aus kulturelle n Gründen, vor allem durch unser Alter , eine eher niedrige Bedeutung. Ist ja auch irgendwie verständlich. Aus der Sicht eines 50 jährigen Roma, der sein Leben am Existenzminimum verbringt, wären mir die Mediationskompetenzen der deutschen Wohlstandskinder auch erst einmal egal. Doch wir hoffen, dass wir dieses Bild bei unserem nächsten Aufenthalt in Kriva Palanka noch weiter abbauen können und unsere Ausbildung noch aktiver nutzen können. Natürlich half sie uns bis jetzt sehr dabei mit schwierigen Situationen umzugehen und viele Dinge für uns zu klären.

Wenn Ihr da mit Eurem Mediationsauge und – herz hinschaut: Welche Konflikte tauchen denn da hauptsächlich auf? Erlebt Ihr, dass die Roma sich diesen Konflikten stellen können?

Die Konflikte dort haben oftmals eine andere Basis als Konflikte, die uns bis jetzt bekannt waren. Die Menschen dort müssen einfach noch viel stärker auf sich schauen und haben oft das Bedürfnis ihre eigene Wirksamkeit in Form von Konflikten zu erfahren. Vor allem bei Konflikten in der Kontaktgruppe ist unsere Vermutung, dass sie als Intentionen hatten zu erfahren, welches Gewicht das eigene Wort hat. Diese Vermutung machen wir fest an Konflikten, die für uns keinen offensichtlich sachbezogenen Ursprung hatten und uns vorerst „unnötig“ erschienen. Wir nahmen sie dennoch ernst und versuchten uns zu erklären, bis plötzlich alles vergessen schien und alles wieder so wie wir es geplant hatten in Ordnung war.
Besonders wichtig war es der Kontaktgruppe, ernst genommen zu werden, respektiert zu werden und Einfluss zu haben auf das, was passiert.
Grundsätzlich unterscheiden sich die Konflikte dort von denen, die uns bekannt waren, da ihr Ursprung oftmals auf einer anderen Ebene liegt. Wenn man sich die Maslow'sche Bedürfnispyramide als Bild vorstellt, entstehen unsere Konflikte meist aufgrund unerfüllter sozialer Bedürfnisse oder Ich-Bedürfnisse, also sozusagen in der Spitze der Pyramide. Doch bei den Roma in Kriva Palanka sind sehr oft weitaus grundlegendere Bedürfnisse unerfüllt. Bedürfnisse, die die Basis der Pyramide bilden, teilweise sogar unerfüllte Grundbedürfnisse, oft jedoch unerfüllte Sicherheitsbedürfnisse.
Diese Konflikte sind natürlich nicht gerade einfacher zu lösen, da oftmals das „unerfüllte Bedürfnis zum Konflikt“, also nach „Gesehen werden und eigener Wirksamkeit einen eher abstrakten Zusammenhang hat. Wir machten die Erfahrung, dass Konflikte dort selten wirklich geklärt werden. Dass ein Konflikt eine Chance sein kann und durchaus auch positive Seiten hat, ist den Menschen dort nicht wirklich bewusst. Meist werden Konflikte dort sehr lautstark ausgetragen und dann etwas später wieder vergessen. Zu einer Klärung kommt es noch eher selten.

Was bräuchten die Roma noch, damit sie Konflikte auch als Chancen ergreifen können?

Wir glauben als erstes bräuchten sie einen sehr aufmerksamen und geduldigen Menschen, den sie respektieren, der ihnen zuhört und ihnen hilft Konflikte zu lösen. Nicht weil sie das nicht selbst lernen können, sondern weil für sie die Erfahrung sehr wichtig wäre, dass man einen Konflikt konstruktiv, in einer win-win-situation, beenden kann. Denn diese Erfahrung fehlt ihnen und ist ausschlaggebend für das eigene Konfliktverhalten. Ohne positive Erfahrungen fehlt das Vertrauen in Konfliktsituationen, sowohl zu sich selbst, als auch zum Gegenüber. Die Motivation über Probleme zu sprechen kann aber nur entstehen, wenn man Vertrauen hat, dass etwas Positives entstehen kann. Wir glauben daran, dass das entstehen kann, auch wenn es keine einfache Aufgabe für alle Beteiligten sein wird.

Es gibt hier in Deutschland einige Bemühungen, auch Roma Mediationskompetenzen zu vermitteln. Könnt Ihr Euch vorstellen, dass das auch in Kriva Palanka sinnvoll sein könnte?

Wir sind überzeugt: jede Weiterbildung auf diesem Gebiet kann, egal wem, nur helfen. Und da sind selbstverständlich auch die Roma in Kriva Palanka keine Ausnahme. Eine Weiterbildung, vor allem für die Mitglieder der Kontaktgruppe, halten wir für sehr sinnvoll. Ich glaube, sie könnten sehr viel lernen. So eine Ausbildung ist, unserer Erfahrung nach, vor allem wichtig für einen selbst und ob man dann noch weitergehen möchte und versucht auch andere davon profitieren zu lassen, das kann ja jeder dann für sich selbst entscheiden. Ich glaube die Roma sind durchaus in der Lage und motiviert etwas auf dem Gebiet des Konfliktumgangs zu lernen. Man sollte nur auch bedenken, dass es durchaus Unterschiede zwischen den Kulturen gibt, und dies auch beim Umgang mit dem Thema berücksichtigen. Beispielsweise hat das Alter noch eine wesentlich höhere Bedeutung und das Wort des Älteren dadurch auch mehr Gewicht. Doch grundsätzlich sind wir alle Menschen, haben alle ähnliche Bedürfnisse und können dadurch auch alle Mediatoren werden.

Ist dieses Projekt AMARO KHER das richtige Projekt für den Verein INTEResse und warum?

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 5.pngDas Projekt „Amaro Kher“ fällt auf den ersten Blick ja nicht in den unmittelbaren Aufgabenbereich des Vereins INTEResse. Ein Hilfsprojekt für Roma in Kriva Palanka, einem kleinen Dorf mit ca. 14.000 Einwohnern in Mazedonien scheint vielleicht zunächst „ unpassend“ für einen Verein für PeerMediation. Doch macht man sich bewusst, was die Hilfe wirklich ausmacht, wird einem klar, wo die beiden Projekte sich überschneiden. Wir haben uns viele Gedanken im Voraus gemacht, was Hilfe zu einer guten und nachhaltigen Hilfe werden lässt. Wir kamen auf die Begegnung auf Augenhöhe und das Lernen voneinander. Grundsätzlich bedeutet Peer-Mediation nichts anderes. Für uns ist die Vorstellung von Spender und Empfänger veraltet. Es geht nicht darum den vielmehr Menschen Materielles zu geben, sondern ihnen zu helfen sich selbst zu helfen. Dies kann nur durch eine Begegnung auf Augenhöhe möglich werden. Wir sind sicher, dass wir und die Mediation an sich aus diesem Projekt ungeheuer viel profitieren. Wir haben dort so viele Erfahrungen gemacht und so viel gelernt, dass wir jetzt sagen können, dass die Mediationsausbildung nicht nur in dem Rahmen der Schule oder des eigenen Umfeldes sinnvoll für uns war. So ist, wenn man über den Tellerrand schaut und einen etwas globaleren Blick wagt, Mediation nicht nur bei Mobbing in der Schule eine Möglichkeit zu handeln, sondern auch bei Diskriminierung in einem weitaus größeren Rahmen, wie sie bei den Roma immer noch stattfindet. Ein Ziel von INTEResse ist es gegen Ausgrenzung zu handeln und nichts anderes tut „Amaro Kher“.

Was ist Euch noch wichtig zu sagen?

Wir sind wirklich sehr dankbar für die Unterstützung von INTEResse, auch den finanziellen Beitrag, und müssen sagen, dass wir ohne diesen wahrscheinlich ein ganzes Stück weniger hätten schaffen können. Wir hoffen, aus unseren Antworten ist ersichtlich geworden weshalb INTEResse sehr gut zu „Amaro Kher“ passt. Ansonsten sind wir gerade einfach sehr motiviert aller Welt von unserem Projekt zu erzählen. Wir finden, dass es ein einzigartiges Projekt ist. Es hat jetzt schon so viel Begegnung geschaffen und ist es wirklich Wert weiterhin unterstützt zu werden. Auch für die nächste Bauphase (vermutlich ab April 2014) möchten wir alle herzlich einladen mit uns nach Mazedonien zu kommen und eigene Erfahrungen zu sammeln. Oder auch gerne einen der vielen offenen finanziellen Posten zu übernehmen, denn für 2o14 suchen wir noch Geld, um die Unkosten für die weitere Arbeit bezahlen zu können.
tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 6.pngtl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 7.png
Vielen Dank für Eure umfassenden Antworten und vor allem für Eure ganz praktische Unterstützung vor Ort!

Die Fragen stellte Angelika Ludwig-Huber, die selbst Mit - Initiatorin des Projekts ist, aber ab Mai nicht selbst dabei sein konnte.


Wir bauen ein Gemeinschaftshaus mit und für die Roma in Kriva Palanka

Oder: soziale Plastik*-  auch mit Flaschen…

Wer weiß schon, ob es Zufall war und was das überhaupt bedeutet- dieses Zu-Fallen. Jedenfalls sind wir uns begegnet. Wir : Zunächst eine 12.Klasse der Waldorfschule Karlsruhe mit ihren Begleitern auf ihrer Abschlussfahrt und Sie: die Roma in ihrem „Viertel“ in Kriva Palanka, Mazedonien, 2o11. Wir waren eigentlich gekommen um an dem integrativen Kindergarten für Roma und Mazedonische Kinder den Außenspielbereich  zu gestalten. Das haben wir auch gemacht. Gemacht haben wir aber auch Erfahrungen, die uns dann nicht mehr los gelassen haben: z.B. die Erfahrung, was es bedeutet in einem solchen „Viertel“ zu leben, an der Armutsgrenze, ohne Perspektive auf Arbeit und damit Sinn erfülltes Leben. Wir haben auch erlebt, dass dann der Schulbesuch der eigenen Kinder nicht an vorderster Stelle der familiären Bemühungen steht, denn für Schule braucht es Dinge, die bezahlt werden müssen: Mittagessen und Schulmaterial. Und wer das alles nicht hat, der hat wenig Chancen. Dabei wäre es doch so wichtig die Schule zu besuchen, einen Abschluss zu machen und damit die Möglichkeit auf ein anderes, ein selbstbestimmtes Leben mit einer anderen, einer sinnerfüllten Perspektive zu führen…Teufelskreise eben: wenn so wesentliche grundlegende Dinge nicht da sind: Genügend Essen, halbwegs genügend Geld für das, was der Mensch so eben braucht, dann spielen die anderen, die ideellen Ziele, eine gänzlich nebensächliche Rolle. Oder mit Brecht: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“. O ja, ohne Essen geht es wirklich nicht- diese existentielle Erfahrung kann man im Südosten des Balkan tatsächlich machen, jedenfalls in einem Roma-Viertel.

 tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 8.png

Mit solchen Erfahrungen sind wir wieder nach Hause gefahren, in unser komfortables Leben, in dem es uns zumindest -was Materielles betrifft- an nichts fehlt und wir doch relativ selbstbestimmt entscheiden können, wie wir leben und zum Beispiel auch mit solchen Erfahrungen wie den gemachten umgehen wollen. Und uns war klar: wir wollen etwas machen! Der erste Gedanke war: Patenschaften für die Schulinder zu übernehmen, mit denen der Schulbesuch finanziert werden kann.

Und hier tauchten sie zum ersten Mal auf: die Flaschen. Wir stellten nämlich fest, dass an unserer Schule ungefähr so viele Pfandflaschen im Müll landen wie für 2 Patenkinder im Monat an Geld notwendig wäre um Material und Mittagessen zu bezahlen. Also haben wir die Getüme angeschafft, in denen die Flaschen gesammelt und anschließend in Geld getauscht werden, was dann den beiden Patenkindern geschickt werden kann. Ein kleiner Tropfen sicherlich, aber immerhin ein erster…

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 9.png …dem weitere folgen wollten…

Wir haben den Sinto  Hugo Höllenreiner eingeladen. Hugo war als Kind in Auschwitz und  Opfer des grausamen Dr.Mengele, der medizinische Versuche mit ihm machte. Von Hugo erfuhren wir viel über die Verfolgung von Sinti und Roma unter den Nazis, aber leider auch darüber, dass es danach nicht wirklich eine Wiedergutmachung gegeben hatte.

Adrian Gaspar, ein junger Komponist und Pianist, hat mit uns seine „Sinfonia Romani“ in Karlsruhe aufgeführt, in der er diese Leidensgeschichte des Hugo Höllenreiner vertont hat. Ein zweites Solidaritätskonzert „Brückenschläge“ haben wir der Roma-Thematik  gewidmet, hauptsächlich durch musikalisches Brückenschlagen, aber auch durch eine großartige Spendensumme, die wir für Projekte in Kriva Palanka mit den Roma verwenden konnten. Und wir haben immer mehr verstanden, welche auch historische Last an Demütigung und nicht aufgearbeitetem Schwerem auf dieser Volksgruppe lastet, auch heute noch.

Vertrauen und Verständnis entsteht durch Beziehung

Einzelne oder Gruppen von uns sind immer wieder hingefahren in dieses Viertel der Roma, aus den ehemaligen Begleitern wurden aktive InitiatorInnen von Neuem. Das gegenseitige Vertrauen zwischen Roma und uns wuchs, sodass wir gemeinsam mit den Roma überlegen konnten, ob und wie wir dazu beitragen könnten, die Situation dort erträglicher werden zu lassen.   Das WIR veränderte sich: nicht nur Mitglieder der ehemaligen Klasse, sondern viele weitere HelferInnen fingen an, sich zu engagieren bei den verschiedensten Projekten.

Heute sind wir eine Gruppe von einigen Erwachsenen und vor allem vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, viele davon ehemalige SchülerInnen der Waldorfschule Karlsruhe. Insbesondere unsere zwei Baumeister, die – Mitte zwanzig- sich entschlossen haben, mehrere Monate auf ein geregeltes Einkommen in Deutschland zu verzichten, um hier in ein Projekt einzusteigen, das wir in dieser Größe am Anfang nicht genau vorhersehen konnten.

Begegnung auf Augenhöhe kann weitere Demütigungen verhindern

Bei all dem, was wir bislang gemacht hatten: Bauen am Kindergarten, Hilfstransporte für die Menschen, Patenschaften für die Kinder und solche Dinge- irgendetwas stimmte für uns noch nicht oder ließ noch immer das Gefühl zurück, dass wir in einer Weise auftreten, die wir eigentlich nicht wollen: als Geber, als Verteiler von Geldern und Gütern. Neben dem Gefühl, dass wir da nämlich auch nicht nur Gutes damit bewirkten, wenn sich die Empfänger unserer Spenden dann über von uns verteilte Güter stritten, sich ungerecht behandelt oder nicht gesehen fühlten, war es vor allem das Gefühl, dass wir den Teufelskreis : „andere verteilen- ihr empfangt oder eben auch nicht“- damit wieder bedienten und  Gefühle von Ohnmacht bis zur Demütigung nicht wirklich weniger werden konnten.

Den Teufelskreis „Ihr da unten- wir da oben“ durchbrechen !

Uns wurde bei jedem Besuch immer deutlicher, dass wir eine andere Form für unsere Unterstützungsarbeit finden wollten, nämlich ein Miteinander auf Augenhöhe. Und hier begann das Experiment, das wir „Soziale Plastik – auch mit Flaschen“ nennen wollen.

Arbeit mit und an der Gemeinschaft braucht einen Raum

Wir wollten mit den Roma gemeinsam überlegen, wie wir sie unterstützen können beim Verändern ihrer Lebensbedingungen. Überlegen heißt miteinander sprechen und beraten, idealerweise in einem Raum. Da hatten wir schon die erste Barriere: Räume für Roma- und auch noch in größerer Anzahl- gibt es nicht. Auch in Mazedonien sind Roma nicht wirklich gut gelitten. Alle Bemühungen so etwas Einfaches wie einen Tagungsraum, ein Klassenzimmer, einen Gemeinderaum zum Besprechen, zum Austauschen ..zu finden, scheiterten daran, dass wir es mit Roma zu tun hatten. Konferenzen am Fluss- am besten im Regen und Mantel- können lustig sein, funktionieren aber auf Dauer nicht besonders effektiv.

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 10.png tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 11.png 

Abb. Konferenzen am Flussufer: Kalt, laut, schwierig…

Spätestens hier wurde klar: So lange es keinen Raum gibt, wird auch dieses Gemeinsame Überlegen und Entwickeln von Ideen nicht wirklich dauerhaft gelingen. Unsere bisherigen Projekte: Spenden verteilen, Musik machen mit den Kindern und Jugendlichen- nicht alles kann einfach im Freien gemacht werden, wenn wir alle erreichen wollen.

Wie kommen wir an einen solchen Raum?

Gar nicht, wenn wir nicht selbst tätig werden! Das wurde sehr schnell deutlich. Die Gemeinde Kriva Palanka hat viele Nöte zu bewältigen. Es ist eine relativ arme kleine Stadt, weit weg von der Hauptstadt, in den Bergen, und für die Gemeinde steht das Versorgen der Roma sicherlich nicht an erster Stelle, wenngleich sie unsere Bemühungen zumindest ideell mitträgt. Es galt also selbst initiativ zu werden.

Wieder ein Zu-Fallen?

Und dann geschah etwas fast Unglaubliches: Sebastian und Georg, zwei junge Architekten und Baumeister, die bereits in Argentinien in einer Armensiedlung ein Haus gebaut hatten in einer besonders umweltschonenden und preiswerten Bauweise, fanden nicht nur Gefallen an dem, was sich langsam immer mehr als Notwendigkeit heraus schälte, sondern sie wurden gepackt von einem Enthusiasmus für die Tat. Nach einem gemeinsamen Besuch vor Ort war klar: wir machen das zusammen!

Wir bauen  hier ein Haus, in dem die Gemeinschaft der Roma lebendig werden kann und in dem Bildung einen Platz und eine Möglichkeit bekommt, wirklich für die Menschen hilfreich zu werden.

In einem umfangreichen ersten Prozess der Willensbildung und Ausgestaltung, wie das Ganze aussehen könnte, was die Anliegen der Roma für ein solches Haus sind, was da alles untergebracht und stattfinden soll, welche Bildungsinitiativen sinnvoll und gewünscht sind, erarbeiteten wir gemeinsam die TUka, die Plattform, auf deren Fundament zunächst eine erste Delegation der Roma von der Roma Gemeinschaft gewählt wurde, die für die deutsche Delegation dieses Projektes als Ansprechpartner aus der Roma-Bevölkerung zur Verfügung stehen sollte und umgekehrt.

Neuland: Prozesse der Gemeinschaftsbildung wollen gut begleitet werden

Schon dieser erste Prozess – die Delegationsbildung- zeigte uns, dass hier eine Aufgabe lag, Prozesse der Gemeinschaftsbildung und des Ausarbeitens eines gemeinsamen Projektes gut zu begleiten. Gut, dass wir ProzessbegleiterInnen und MediatorInnen in unserem Team hatten.

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 12.png 

Abb. Die Tagesordnung der Roma Versammlung an Ostern, immer übersetzt von Deutsch-sprechenden Roma

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 13.png 

Abb.Die von der Roma Versammlung an Ostern gewählte Delegation „Kontaktgruppe“

Wie können gute Ideen und Absichten auf die Erde kommen?

Wie aber sollte diese ganzen Ideen  realisiert werden? Mit Idealismus alleine kann man  keine Kosten bezahlen, die dazu nötig sind. Auch wenn Man-Power und auch Women-Power schnell gefunden werden konnten, ging es doch auch darum, deren Unterhalt in dieser Zeit, aber vor allem die Materialien für den Bau zu finanzieren. Und dann musste dazu ein altes Haus auch noch gekauft werden, das wir für diese Zwecke umbauen konnten.

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 14.png 

Abb. Das Haus, das wir als Grundlage für AMARO KHER gekauft haben

Geld wird da warm, wo es dem Menschen und vor allem dem „Zwischen-den- Menschen“ dient

Irgendwie hatten wir alle das Vertrauen, dass wir das vermitteln könnten, dass es gelingen könnte, das Geld herbei zu schaffen, das gebraucht werden würde, um dieses Gemeinschaftshaus zu schaffen. Und nachdem wir  an Ostern 2o13 nach langem Suchen und Verhandeln endlich ein Haus gefunden hatten, das wir für diese Idee nutzen könnten – leider gab es keine andere Möglichkeit, als es zu kaufen,  gründeten wir kurze Zeit Später dafür einen Verein:

AMARO KHER- Förderverein für das Roma-Gemeinschaftshaus in Kriva Palanka.

Mit dem Namen AMARO KHER ( übersetzt „unser Haus“) sollte deutlich werden, dass dieses Haus für die Roma da sein soll, dass in diesem Haus Roma-Gemeinschaftsleben stattfinden soll, und dass wir als Verein gemeinsam mit den Roma darüber beraten, wie dieser Bauprozess, aber danach auch das Leben dieses Gemeinschaftshauses und damit der tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 15.pngMenschen gestaltet werden kann.

Drei wesentliche Komponenten konnten wir erkennen, die wichtig sind und für die sich 3 gemeinnützige Vereine als Säulen des Ganzen zusammengeschlossen haben:

 

 

 

 

  1. INTEResse: es mussten diese gemeinschaftsbildenden Prozesse gut begleitet werden. Wo die materielle Not groß ist, sind Egoismen eine Folge. Angst, selbst nicht genügend zu bekommen, macht nicht unbedingt frei für Empathie zum anderen hin. Demokratischer Umgang mit Entscheidungen oder über das Demokratische Hinaus: Selbstverantwortung und -Verwaltung sind keine Dinge, die diese Menschen gelernt haben. Sozialisiert sind die meisten der dort lebenden Menschen mit dem Gefühl: da oben gibt es Mächtige, die entscheiden über uns, ob wir hier sind oder irgendwo Asyl suchen: niemals haben wir etwas zu sagen. Aus solch einem Lebensempfinden heraus zu kommen, würde vermutlich einige Mühe bedeuten. Daher war es ein guter Zufall, dass einige MediatorInnen und ProzessbegleiterInnen sich unter den Helfern befanden, und mit ihnen gleich deren Verein INTEResse e.V. einsteigen konnte in Amaro Kher. Ein mittelfristiges Ziel, wenn das Haus gebaut ist: die Kompetenz der konstruktiven Konfliktlösung den Roma selbst vermitteln.
  2. Casa Creciente: Um ein Haus zu bauen, braucht es Pläne, Materialien und Menschen, die Hand anlegen. Für die Pläne hatten wir hervorragende Baumeister, mit denen wir gemeinsam entschieden, dass wir hier in der Bauweise mehrere ganz wichtige Faktoren unterbringen wollten: a) wir haben wenig Geld, es muss also preiswert sein b) wir wollen den Roma beim Bauen, also während des Bau-Prozesses die Möglichkeit geben, eine Kompetenz für sich selbst zu erwerben, denn die Hütten und kleinen Häuser der Roma sind nicht isoliert und teilweise winzig klein und renovierungsbedürftig. Unsere Idee war, dass sie in der Zukunft ihre eigenen Häuser verbessern können. Dazu stellten die Baumeister ihre Lehmbauweise vor, die mithilfe von Recycling Materialien eine gute Grundlage werden konnte. Georg und Sebastian als Vorsitzende von CASA Creciente e.V.wurden zur zweiten Säule des Vereins. Und hier tauchten sie wieder auf, die Flaschen…

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 16.png tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 17.png 

 tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 18.png

 

 

 

 

Abb. Flaschen werden mit Sand gefüllt und werden später zu Wänden…

3.Integration der bisherigen Bildungsarbeit durch FutuRoma

Schon einige Zeit zuvor hatten einige von uns den Verein FUTUROMA gegründet. FutuRoma betreibt den Kindergarten, den wir damals „zufällig“ getroffen hatten. Und FutuRoma organisiert die Patenschaften. Und FutuRoma stellt den Sozialarbeiter, der seit diesem Jahr eine Hausaufgabenbetreuung für die Schulkinder leistet, damit die Kinder nicht aufgeben im Schulbesuch und wir sie dadurch unterstützen können. FutuRoma braucht auch das Gemeinschaftshaus, damit diese Hausaufgabenbetreuung direkt bei den Roma stattfinden kann und nicht an zwei verschiedenen Schulen. FutuRoma wurde zur dritten Säule in AMARO KHER.

AMARO KHER: eine Kooperation dreier Vereine und einer Menge anderer Unterstützer

Und daneben fanden sich im ersten Schritt etliche Förderer, die gerne und mit Freude diese Idee durch einen Beitritt zum Verein unterstützen.

Erste Spenden mit erwärmtem Geld

Wir haben wirklich erstaunliche und sehr berührende Erfahrungen gemacht: Es gibt Menschen, die bereit sind, eine Menge Geld zu schenken, weil sie eine Idee und deren Ausgestalter gut finden. So auch hier: wir bekamen eine 2o.ooo Euro Spende, mit der wir das Haus kaufen konnten, das zu AMARO KHER umgebaut wird. Die Stiftung „Jugend hilft- Children for a better world“ hat uns 800 Euro gespendet. Die 3 Säulenvereine haben ebenfalls einen großen Beitrag gespendet, ebenso einige Privatpersonen. Der Bau konnte im August also beginnen.

Aber natürlich gab es auch Hürden zu überwinden, und noch längst nicht sind sie alle gemeistert.

Behörden können anstrengend sein und dann auch noch viel Geld kosten. Auch wenn die prinzipielle Zustimmung des Bürgermeisters von Kriva Palanka für unser Vorhaben da war- eine wirkliche Unterstützung im Sinne von schnellen unbürokratischen Verfahren war nicht möglich. Und so zog sich die Bewilligung des Bauantrags in die Länge, weil Bedingungen genannt wurden, die wir gar nicht erfüllen konnten, z.B. dass wir die Arbeit am Bau von mazedonischen Firmen tätigen lassen sollten. Dafür hätten wir ohnehin kein Geld gehabt, aber es hätte auch der Idee  des gemeinsamen Aufbauens einer Gemeinschaftsstätte komplett widersprochen. Auch bei den Gebühren für dies und jenes konnten wir leider kein Entgegenkommen erreichen, und so sickerte manches schwer an Land gezogene Geld in unsinnige Steuern,  das uns an anderer Stelle heute fehlt.

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 19.png

 

Und trotzdem: Hier entsteht Zukunft: Menschen arbeiten miteinander an einem Projekt- alle ohne Bezahlung, aber alle mit einer Vision:

 

Die freiwilligen Helfer aus Deutschland: vor allem ehemalige WaldorfschulerInnen, von gerade eben mit Schulabschluss bis hin zu Menschen, die sich offensichtlich daran erinnern konnten in ihrer Schulzeit neben Vokalen auch noch andere, wichtige Dinge fürs Leben gelernt zu haben. Um die 3o solcher Menschen kann man da in unterschiedlichen Besetzungen erleben, jetzt bereits seit August.

Die Helfer der Roma: kleine, große, junge, alte, Frauen und Männer: so gerne würden wir ihnen irgendeine Form der finanziellen Wertschätzung geben können, bislang haben wir noch keine Mittel dafür auftreiben können, weil das Geld, das wir finden konnten, für den Bau gebraucht wird. Und obwohl die Erwartungen zunächst anders waren und Viele gehofft hatten, hier ein wenig Geld verdienen zu können( was leider nicht da ist), sind es täglich mehr geworden, die in der gemeinsamen Tat mehr und mehr auch ohne den Gedanken an Geld etwas Sinnvolles entdecken konnten.

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 20.png 

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 21.png tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 22.png

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 23.png tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 24.png

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 25.png 

Und immer wieder abends: Gemeinsames Zurück schauen und vorblicken, Konflikte klären und Lösungen finden: die Kontaktgruppe der Roma sowie die Baumeister und die anderen deutschen Helfer wachsen immer mehr zusammen.

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 26.png

Hier entsteht das so wichtige Vertrauen und auch die Kraft weiter zu machen, auch wenn das Geld nicht da ist, das man eigentlich bräuchte.

 

 

 

 

 

Und hier stehen wir heute:

Eine Roma-Gemeinschaft ist am Zusammenwachsen, immer mehr in der Lage, die eigenen Konflikte in die Hand zu nehmen und zu lösen, die eigenen Zukunftsaufgaben zu erkennen, Sinn zu erleben im gemeinsamen Tun und immer mehr Ideen zu entwickeln, was in diesem AMARO KHER auch noch sein könnte, wenn es fertig wird. Die ausgearbeiteten Ideen sind längst da, das Haus ist beim Richtfest angelangt, und wenn jemand richtig schön feiern kann, dann sind es ROMA:

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 27.png 

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 28.png 

Die erste Bauphase ist abgeschlossen- auch finanziell. Durch viele Spenden und den honorarlosen Einsatz aller Beteiligten ist es gelungen, alle für diese erste Phase notwendigen Materialien und Unkosten wie Fahrten etc. zu bezahlen. Ca 35.ooo Euro ( inclusive des Hauskaufes) mussten dazu aufgebracht werden und wurden auch aufgebracht. Daran haben enorm viele Menschen mitgewirkt: Schüler, Ehemalige, Spender, Stiftungen, die drei Säulen-Vereine und alle möglichen anderen Menschen. Vielen Dank an alle !

Vertrauen entsteht auch durch Treue. Dafür stehen wir durch unsere Zusage dieses Projekt langfristig zu begleiten, auch wenn der Bau abgeschlossen ist. Denn dann beginnt das Innenleben, das der Bildung, Weiterbildung, der gesellschaftlichen Partizipation und damit der Zukunft der Roma in Kriva Palanka dienen wird.

Jetzt bereiten wir die Bauphase 2 vor . Dazu werden wir ca 15.ooo Euro benötigen.  Und gleichzeitig beginnt der Prozess, das Innenleben vorzubereiten und entsprechend Menschen zu schulen, die nötigen Einrichtungen anzuschaffen und dergleichen mehr. Auch dafür benötigen wir ca 15.oo Euro.

Dieses Geld haben wir noch nicht, hier bitten wir alle, die bereit sind, Geld richtig warm werden zu lassen, tätig zu werden. Wenn uns das gelingt, dann werden wie geplant im Frühling all die Dinge beginnen können, die in den Prozessen der Ideenfindung und Gestaltungswünschen entwickelt worden sind:

  • Die Hausaufgabenbetreuung für die Schulkinder
  • Die Betreuungs- und Nachschulungsangebote für die Nicht-Schulkinder ( es gibt viele Jugendliche, die nie in die Schule gegangen sind und für ihren weiteren Lebensweg aber einen Abschluss brauchen)
  • Die Beratung und Zusammenarbeit  der Frauen untereinander
  • Die Werkstätten für die Frauen, die Männer und auch die Jugendlichen
  • Der Internetraum, den sich die Menschen als Zugang zur anderen Welt erhoffen
  • Computer-und andere Kurse
  • Die Sozialarbeiterbetreuung für all die ungelösten Fragen
  • Und so Vieles mehr…..
  • Vertrauen braucht Verlässlichkeit. Dies wollen wir leisten, wenn wir es können. Wir brauchen allerdings dazu Unterstützung. Vieles ist in Schwung gekommen, Vieles ganz neu entstanden, am allerwichtigsten das Gefühl: wir können etwas verändern an unserer Misere !

Wir- die Menschen von AMARO KHER- wären sehr froh, wenn wir hier mit weiterer Hilfe dafür sorgen könnten, dass genau dieses so wichtige Gefühl für das Leben weiter wachsen kann.Für Amaro Kher: angelika ludwig-huber, Dezember 2o13

Spendenkonto: AMARO KHER Förderverein e.V.         Konto: 7028391500                  BLZ:43060967

 

*Zum Begriff der „Sozialen Plastik“: Dieser Begriff (auch „ soziale Skulptur“) stammt von Joseph Beuys. Beuys erweitert damit die Vorstellung von Kunst um menschliches Handeln, das der Veränderung des „Zwischen den Menschen“ zu mehr Menschlichkeit dient. Wir schließen uns diesem Begriff gerne an, ähnlich, wie Christoph Schlingensief dies mit dem „Operndorf in Burkina Faso in Afrika“ getan hat. Auch dort geht es natürlich nicht nur um Oper, sondern vor allem um Schule, um Krankenstation, um Dinge eben, die dem Menschen dienen. Dass bei uns der Begriff der „Plastik“ auch noch mehr Bedeutung hat, nämlich die Nutzung vorhandener Materialien, die hier nicht die Müllberge belasten, sondern der Wärmebildung durch Recycling-Bau dienen und gleichzeitig in Karlsruhe durch die „Getüme“ der Bereitstellung von Geldern für Patenschaften, ist einfach wieder so ein Zu-Fallen, diesmal von Begriffen, die das Leben ausmachen.

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 29.pngtl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 30.pngtl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 31.png 

tl_files/theme/elbec/img/Amaro Kher 32.png 

 


Links zum Thema Amaro Kher

Amaro Kher hat auch eine eigene Webseite, zu welcher Sie hier kommen.

Die Spenden-Platform beterplace.org bietet eine schnelle und einfache Möglichkeit, für gute Zwecke zu spenden. So auch für Amaro Kher oder genauer: Bau eines Gemeinschaftshauses für die Roma in Kriva Palanka, Mazedonien.
Weitere Informationen dazu gibt es hier.
oder Sie kommen hier direkt zur Seite "Spenden und Meinungen".