Schüler-Kompetenzkurse in Sachen Mediation

An verschiedenen Schulen sind inzwischenPeer-Mediatoren, auch Schüler-Streitschlichter genannt, ausgebildet worden. 2005 wurden in Karlsruhe17 SchülerInnen als Achtklässler ausgebildet , die dann ein Jahr mit der Mediatoren-Lehrerin eine Art Assistenzjahr absolviert haben, in dem regelmäßige Supervisionen und Intervisionen stattfanden.

in der Folgezeit arbeiteten diese Schüler relativ selbstständig in Tandems, allerdings fast immer in Absprache mit den betroffenen Klassenlehrern oder der Ausbildungslehrerin. Außerdem gab es regelmäßige Besprechungen über die Arbeit, verbunden mit Reflexionen und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Die Ausbildung der 2. Generation von Schüler-Streitschlichtern, die im Herbst 2009 begannn, fand bereits mit der Assistenz von einigen der erfahrenen Streitschlichter, inzwischen Zwölfklässler, statt.

Was passiert in einer Streitschlichterausbildung?

Streitschlichter auszubilden heißt zunächst einmal ganz kurz gesagt: Schülern zu helfen, sich selbst zu helfen, sich gegenseitig wahrzunehmen, zu verstehen und aufeinander zu achten - und all dies besonders dann, wenn es zu Konflikten kommt.

Das geht nicht ohne Interesse am anderen Menschen, nur dieses verstehende Interesse am anderen kann verhindern, dass Gewalt entsteht. Wenn wir uns klar machen, wie wir selbst reagieren, wenn wir uns ohnmächtig, verunsichert, wenig wert oder gar sinnlos fühlen, dann führt uns dies zunächst einmal zu unseren eigenen Gewaltanteilen, dem vorschnellen Urteil über den anderen, der Schuldzuweisung.

Gewaltprävention als eine Aufgabe von Peer-Mediation setzt genau da an: beim eigenen Erleben und Verstehen, beim Annehmen dessen, was sich in mir und beim anderen abspielt, wenn wir uns bedroht oder überfordert fühlen und beim Entwickeln einer gewaltlosen Sprache, die für die eigenen sowie die fremden Bedürfnisse eintritt. Wer das für sich selbst gelernt hat, kann andere dabei unterstützen.

Es geht also nicht um Methoden alleine, etwa den notwendigen Schritten in einer Mediation oder guten Ich-Botschaften. Methoden sind dann hilfreich, wenn ich die Haltung erringen kann, die geprägt ist vom Verstehen-Wollen bzw. wie Rudolf Steiner sagt:

Einzig und allein dadurch, dass ich nicht nur Interesse entwickele für dasjenige, was ich selber denke, was ich selber für richtig halte, sondern dass ich selbstloses Interesse entwickele für alles, was Menschen meinen und was an mich herantritt, und wenn ich es noch so sehr für Irrtum halte.

Und es geht hier um ein Verstehen aus dem Herzensbereich, das den anderen hinein lassen kann, ohne sich selbst dabei zu verlieren, das dem anderen Wärme und Verständnis entgegen bringen und dann auch Lösungen für ein Problem ermöglichen kann.

Dass dies ein Anliegen unserer Jugendlichen ist, zeigt die Tatsache, dass sich immer mehr junge Menschen in ihrer freien Zeit diesem Thema und z.B. einer solchen Ausbildung widmen. Befragt nach dem Motiv für diese ehrenamtliche Arbeit, können wir Antworten hören wie: „Ich will etwas gegen Gewalt tun, ich will andere besser verstehen, ich will mit Konflikten besser umgehen können und auch anderen dabei helfen, ich möchte gerne, dass wir friedlicher miteinander umgehen, mehr Respekt füreinander aufbringen."

Was macht den Erfolg von Schülerstreitschlichtung aus?

Wenn Schüler nur irgend welche Methoden lernen, aber nicht die entsprechende Haltung erwerben, dann bleibt Streitschlichtung u.U. ein eher äußerer Akt, der mitunter wenig nachhaltig ist. Eine gute Ausbildung in dieser Richtung wird also vor allem Wert legen darauf, dass von innen heraus eine ethische Grundhaltung entstehen kann, wichtige Prinzipien, z. B. die Allparteilichkeit, beachtet sind, und die Streitschlichter regelmäßig nach der Ausbildung Supervision und Intervision machen, dass sie lernen, Rechenschaft abzulegen im positiven Sinne, bereit sind, weiter zu lernen, auch ihre Grenzen anerkennen usw..

Erfolgreich sind Streitschlichter oft nicht nur durch ihre Tätigkeit, sondern mitunter schon durch die einfache Tatsache, dass es sie gibt. Das strahlt aus auf andere Schüler in dem Sinne: Es gibt eine Möglichkeit, einen Konflikt konstruktiv zu lösen. Und ich kann mir hier einfach mal Rat holen.

Was braucht es dazu?

Es braucht Kollegen oder Menschen, die Schüler-Mediatoren ausbilden im oben angesprochenen Sinne und die diese Schüler dann auch dauerhaft begleiten. Und es braucht das Vertrauen eines Kollegiums in die Kompetenzen von Schülern an Stellen, wo wir als Erwachsene einfach nicht so gut hinkommen. Das bedeutet zum Beispiel, in einem konkreten, zu bearbeitenden Fall mit den entsprechenden Schülermediatoren abzusprechen, wie wer wann sinnvoller Weise vorgeht. Das bedeutet nicht, dass wir uns „ gleich machen“ und Unterschiede, die wir nun einfach mal haben aufgrund von Lebenserfahrung, Ausbildung usw..künstlich wegzuwischen, sondern es bedeutet nicht mehr als einen gewissen Respekt vor der Tatsache, dass ein Schüler eben manchmal für bestimmte Phänomene einen besseren Blick und eine bessere Ansprache finden als wir Erwachsene, die wir halt schon lange im Lebensalltag stehen und nicht mehr überall alle Offenheit haben können dadurch.

Wenn Sie Interesse an unserem Ausbildungskonzept haben, sprechen Sie uns bitte einfach an.