„Standards“ für Schüler-Mediationsausbildungen bei INTEResse oder:

Wichtige Voraussetzungen , die bei Ausbildungen von Schüler- MediatorInnen zu berücksichtigen sind. (entsprechend bzw ergänzend zu den Standards des BM zu Schüler-MediatorInnen)

Menschen wollen und können kooperieren und sich gegenseitig verstehen. Jeder Einzelne ist in der Lage und willens, sich stets weiter zu entwickeln und an neuen Erfahrungen zu wachsen und Verantwortung zu übernehmen – für sich und andere.

Im Konflikt stehen diese Fähigkeiten bei Beteiligten mitunter vorübergehend nicht zur Verfügung. Die Idee der Mediation beinhaltet, dass Konfliktbeteiligte wieder an ihre Ressourcen anschließen können, wenn das, was vorher hinderlich war ( z.B. die konfliktbedingte Beharrlichkeit auf die eigenen Interessen), aufgelöst werden konnte. Daraus folgert auch, dass Konfliktbeteiligte für die inhaltliche Lösung ihres Konfliktes selbst verantwortlich sind, MediatorInnen allerdings durch einen strukturierten Prozess den Rahmen dafür bieten, dass das möglich ist. Dieser Respekt vor der Selbstverantwortlichkeit der Konfliktbeteiligten schlägt sich nieder in einer Haltung, aus der heraus Prinzipien und letztlich auch Methoden sinnvoll werden.

tl_files/theme/elbec/img/Standard.jpgHaltung und Prinzipien als Voraussetzung: „mediative Haltung“:

  • Vorurteilsfreiheit und Empathie
  • Bereitschaft zum Interesse, auch da, wo es schwierig ist
  • Bereitschaft zum Verstehen wollen eines Konfliktes
  • Ahnung, dass hinter Störungen und schwierigem Verhalten oft wichtige Dinge liegen, oder unerfüllte Bedürfnisse
  • Ahnung, dass in jedem Konflikt auch Chancen liegen können
  • Eisberg denken können



Arbeitsprinzipien:

  • Verbindlichkeit/Verlässlichkeit
  • Vertraulichkeit und geschützter Rahmen um Vertrauen zu entwickeln bzw zu bieten
  • Allparteilichkeit und Fairness
  • Respekt vor den- wenn auch temporär verborgenen – Konfliktlösungspotenzialen der Konflikt-Beteiligten- insbesondere bei Lösungen
  • Neutralität in der Sache
  • Respekt vor den eigenen Grenzen
  • Freiwilligkeit der Konfliktbeteiligten

Kompetenzen und Methodisches:

Kommunikationskompetenzen

  • Wahrnehmung von Interpretationen und Unterstellungen unterscheiden
  • Gefühle und Bedürfnisse erkennen und benennen
  • Urteile erkennen als ungeschickte Äußerung von dahinter liegenden Bedürfnissen
  • Unerfüllte Bedürfnisse als Quell von Konflikten erkennen
  • Ich-Botschaft und Gewaltfreies Kommunizieren
  • Bitten ohne Forderungscharakter artikulieren und dazu verhelfen
  • Unterschiede zwischen face-to-face-Kommunikation und online-Kommunikation , auch nonverbaler Kommunikation kennen
  • Feedback lernen

Methoden

  • Aktives Zuhören und gute Fragen
  • Spiegeln, Paraphrasieren etc
  • Kontrollierter Dialog
  • Perspektivenwechsel
  • Ablauf eines Konfliktgesprächs- in Phasen z.B. lernen und üben: was ist unverzichtbar, was kann und soll variieren ? • Kriterien für gute Lösungen finden und Nachsorge praktizieren

Weitere wichtige Kompetenzen, eher für Fortgeschrittene

  • Mobbing erkennen und mit der Mobbing Pyramide arbeiten: Teufelskreise und Rollen auflösen
  • Wie kann ich Zivilcourage praktizieren und was genau ist das in verschiedenen Situationen?
  • Fortgeschritten: mit Eskalation umgehen
  • Mit Cybermobbing umgehen

Prinzipielles für Ausbildung und Begleitung

  • Erfahren/Erleben- Verstehen- Entwickeln- Üben- Können lernen- Können, besser können….
  • Ausbildung braucht Zeit zum Entwickeln der eigenen neuen Kompetenzen
  • Mut zur eigenen Kompetenz, zur eigenen Grenze und zur Reflexion fördern.
  • Umgang mit Macht- der eigenen und ggfs dem Gefälle bei den Parteien
  • Reflexion des eigenen Konfliktverhaltens und Bereitschaft zum Feedback
  • Ausbildung in einer Gruppe, um Gruppendynamik kennen zu lernen, zu reflektieren und zum Lernen zu nutzen. Und um zum Team zu werden
  • SchülerInnen müssen begleitet werden, in der Vorbereitung und Nachbereitung von einzelnen Fällen
  • Regelmäßige gemeinsame Fallberatung und Weiterbildungsarbeit sowie
  • Regelmäßige Arbeit an den Prinzipien und Methoden der Mediation

 

Zusammengefasst von Angelika Ludwig-Huber, Juli 2o14